Dreimal laufen gelernt – weil aufgeben nie eine Option war
Christine Rebmann erzählt, wie sie trotz chronischer Schmerzen immer wieder zurück ins Leben fand – unterstützt unter anderem durch ein ONEDAY®-Coaching der SAEKK.

«Das wird lang», sagt Christine Rebmann mit einem Lächeln, wenn sie nach ihrem Lebensweg gefragt wird. Und tatsächlich: Schon früh ahnte sie, dass ihr Leben nicht unbedingt geradlinig verlaufen würde. Nach einer Lehre als Buchhändlerin fand sie über Umwege zur Medizin. Durch ihre Tätigkeit in einer Wissenschaftsbuchhandlung wuchs ihr Interesse an alternativen Heilmethoden, doch der entscheidende Impuls kam unfreiwillig – durch einen Unfall.
Mit gerade einmal zwanzig Jahren musste Rebmann ein zweites Mal laufen lernen. Nachdem sie mit dem Motorrad angefahren worden war, hinterliess die Verletzung bleibende Spuren: Probleme im Knie, eine Lähmung der Zehen und unerklärliche Schmerzen. Erst viele Jahre später stellte sich heraus, dass ein Bandscheibenvorfall übersehen worden war. In der Zeit nach dem Unfall prägten Schmerzen ihren Alltag. Aufgeben kam für Rebmann jedoch nie infrage. Dass sie von der Schulmedizin zunächst wenig Verständnis erfuhr, weckte ihr Interesse an der Alternativheilkunde weiter. Nachdem sie sich aber unsicher war, ob die Ausbildung wirklich passt, entschied sie sich schlussendlich trotzdem (oder gerade deshalb) für ein «klassisches» Medizinstudium als zweiten Bildungsweg.
Ein Leben voller Neuanfänge
Leider blieb es nicht bei diesem einen Schicksalsschlag. Insgesamt sechs Bandscheibenvorfälle erlebte Christine Rebmann, vier davon erforderten eine Operation. Der aktuellste Bandscheibenvorfall ist zwar bereits diagnostiziert, bereitet jedoch noch keine akuten Beschwerden. Am schwersten wog der zweite Vorfall im Jahr 2009: Ein Nerv im Bereich der Hüftstabilisatoren wurde dabei so stark geschädigt, dass er sich nicht mehr regenerieren konnte. «Das war ein Moment, in dem ich realisiert habe: Es wird nie wieder so sein wie früher.»
Doch anstatt zu resignieren, kämpfte sie sich zurück. Tägliches Training – darunter auch das Reiten – half ihr, das Gleichgewicht wiederzufinden, körperlich wie seelisch. Immer wieder musste sie ganz von vorne anfangen, wieder laufen lernen und mit chronischen Schmerzen umgehen. «Ich habe irgendwann akzeptiert, dass der Schmerz Teil meines Lebens bleibt. Entscheidend war für mich: Einen Weg finden, mit ihm umzugehen und trotzdem weiterzumachen», erzählt Rebmann.
Zwischen Berufung und Belastung
Trotz der gesundheitlichen Rückschläge verfolgte Christine Rebmann ihre Karriere konsequent weiter. Sie studierte Medizin und träumte davon, Onkologin zu werden. Doch nach dem zweiten Bandscheibenvorfall, der Lähmungen hinterliess, konnte sie nur noch zu 60 Prozent arbeiten – der Traum von der Onkologie war geplatzt. Heute führt sie eine eigene Hausarztpraxis und präsidiert den Verwaltungsrat von mediX winterthur, Teil des schweizweiten Hausärztenetzwerks mediX schweiz. Für Rebmann war die Medizin stets Berufung – doch sie bedeutete auch eine enorme Belastung.
«In meiner Zeit als Assistenzärztin habe ich bis zu 110 Stunden pro Woche gearbeitet», erinnert sie sich. «Darauf bin ich nicht stolz, aber es gab keine andere Wahl.» Der Preis war hoch: kaum Zeit für Erholung und auch kaum Raum für die eigene Gesundheit. Und doch prägte diese Phase ihr Verständnis für den Arztberuf – und für die Grenzen, die man irgendwann ziehen muss.
Ein Kompromiss für die Gesundheit
Von den Bandscheibenvorfällen erholte sich Christine Rebmann nie vollständig. Um arbeitsfähig zu bleiben, musste sie Kompromisse eingehen. 2011 reduzierte sie ihr Arbeitspensum auf 50 Prozent: «Das war kein freiwilliger Entscheid, sondern eine Notwendigkeit. Mein Körper gab einfach nichts mehr her.» Als Ärztin erlebte sie dabei auch die Schattenseite: Schmerzmittel halfen nur begrenzt, stärkere Medikamente konnte sie sich in ihrer verantwortungsvollen Position nicht leisten.
In dieser Phase zeigte sich, wie wichtig Unterstützung sein kann. Christine Rebmann ist seit vielen Jahren bei der Schweizerischen Ärzte-Krankenkasse (SAEKK) Mitglied – und fand dort Hilfe, die weit über die reine finanzielle Absicherung hinausging.
Mehr als eine Zahlstelle
Besonders eindrücklich blieb ihr das ONEDAY®-Coaching in Erinnerung, das die SAEKK ermöglicht hat: «Das war unglaublich grosszügig und individuell auf meine Situation zugeschnitten. Ich konnte Probleme sortieren, Prioritäten neu setzen und dadurch auch meine Lebensqualität ein Stück weit zurückgewinnen.»
Auch praktische Massnahmen wie ergonomische Anpassungen am Arbeitsplatz oder die Offenheit, Belastungen direkt anzusprechen, halfen ihr. «Dass die SAEKK mir so begegnete, war für mich nicht selbstverständlich. Es hat mir gezeigt, dass eine Institution mehr sein kann als eine Zahlstelle», sagt Rebmann dankbar.
Lektionen fürs Leben
Die Geschichte von Christine Rebmann zeigt, was es bedeutet, nicht aufzugeben und Unterstützung anzunehmen: «Ich habe gelernt, dass es nicht immer darum geht, stärker zu sein als der Schmerz. Manchmal bedeutet Stärke, Hilfe anzunehmen und den eigenen Weg anders zu gehen.» Diese Erkenntnis möchte sie auch weitergeben – an ihre Patientinnen und Patienten, aber auch an Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitswesen.
Christine Rebmann hat erfahren, dass das Leben nicht planbar ist. Und doch hat sie ihren Weg gefunden: Als Ärztin, die anderen beisteht. Als Frau, die gelernt hat, sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren. Und als Kämpferin, die weiss, dass sich weitermachen immer lohnt!
